Ostseetour 20.-24.05.04
Fünf wunderschöne Tage im Mai!
Sie haben sich wieder mächtig ins Zeug gelegt, die "Pedalritter"
vom Kulturverein "Frische Briese" aus Brieselang. Die "Ritter"
waren diesmal aber in der Unterzahl, denn das "Fahrerfeld"
von 18 Teilnehmern wurde von 12 Frauen dominiert.
Auch diesmal zog es uns wieder an die Ostseeküste, aber nicht
- wie vor 3 Jahren - auf die Insel Rügen oder wie im vergangenen
Jahr auf den Darss, sondern Ziel war die Insel Usedom.
Nichts Böses ahnend, hatten wir uns den "Herrentag"
als Start gewählt. Die Bahn war mal wieder total überfordert,
denn der Zug in Falkensee war mehr als voll. Mit Schieben und Drücken
sind zu guter letzt alle mitgekommen. So war bis Neubukow Stehplatz
angesagt, in der einen Hand das Fahrrad, mit der anderen Hand festgehalten.
Das tat aber der guten Laune keinen Abbruch.
Von Stralsund nach Greifswald (35 km)
Auf dem Stralsunder Bahnhof gab es eine kleine Rast und weiter ging's,
denn die Zeit drängte. An der Küste weht fast immer eine
kleine Brise und der Wind wehte mäßig von vorn. "Klärchen"
ließ sich auch hin und wieder blicken und wärmte uns kurz
den Rücken.

Auf der alten F 96 zwischen Stralsund und Greifswald
Auf der alten Fernverkehrsstraße 96 von Stralsund bis Greifswald
wurden wir vom Kopfsteinpflaster durchgerüttelt. Aber das wunderschöne
Gelb der Rapsfelder, der Blütenduft und der Gesang der Vögelein
ließ uns die Fahrt zu einem Erlebnis werden. Unser Organisationschef,
der Thomas Gitzel vom Fahrradgeschäft am Brieselanger ArkadenMarkt,
hatte auch diesmal alles bestens vorbereitet. Quartier bezogen wir
in einer wunderschönen Jugendherberge in Greifswald. Überhaupt
können es diese Herbergen - was den Komfort anbelangt - mit vielen
Hotels aufnehmen.

Jugendherberge Greifswald
Auf dem Greifswalder Marktplatz wurde bei untergehender Sonne kräftig
"gefuttert", denn die frische Luft macht hungrig. Zeitig
wurde an der Matratze "gehorcht", denn es stand am nächsten
Tag eine schwere "Etappe" an.
Von Greifswald nach Heringsdorf (70 km)
Vorbei am ehemaligen Kernkraftwerk Lubmin fuhren wir der Insel Usedom
entgegen. In Freest, einem kleinen verträumten Fischerdörfchen,
"schifften" wir uns ein. Bei mäßigem Seegang
und beim Beobachten der Möwen und Kormorane legten wir nach lustigem
Schaukeln in Peenemünde an.

Auf der "Fähre" zwischen Freest und Peenemünde
Hier im Hafen war schon etwas mehr Betrieb, denn Peenemünde ist
bekannt durch das Technikmuseum in der ehemaligen Heeresversuchsanstalt.
Hier wurden Tests der berüchtigten V-Raketen durchgeführt.
Einige von unserer Truppe besuchten ein russisches U-Boot, das mit
seinen über 10000 BRT imposant am Kai lag. Es war durch den ständig
wehenden Wind schon mächtig kühl und so waren wir froh,
dass in einem Zelt zwei Wärmestrahler standen, um die wir uns
scharrten und uns bei Kaffee und Kuchen für den zweiten Etappenabschnitt
stärkten.

Aufbruch in Peenemünde
Unser Ziel war ja eine Jugendherberge hinter Heringsdorf. Auf nunmehr
richtigen Fahrradwegen steuerten wir Zinnowitz an. Nur kurz war hier
der Aufenthalt, denn es hieß, hinter diesem Ort sei mit einigen
"Anstiegen" zu rechnen. Bevor es in die "Berge"
ging, konnten wir das herrliche Panorama der Ostsee genießen.
Dann kam die "Nagelprobe" für jeden Radfahrer, dazu
noch mit Gepäck beladen: Da stand auf einmal "16% Steigung".
Das war dann doch zuviel des Guten. Unter Schweiß hochgeschoben
und nach der zweiten 16%igen waren wir fast am Ziel. Total erschöpft,
aber restlos glücklich über die vollbrachte Leistung, bezogen
wir unser "Hauptquartier" in einer sehr schönen Herberge
direkt am Strand. Unseren Hunger stillten wir mit knusprigen Kartoffelpuffern.
Mächtig zog es uns dann in die "Kojen".
Zwei "freie" Tage
Die nächsten beiden Tage wurden zum Erkunden der Umgebung genutzt.
Bis nach Polen und per Bahn in die Bernsteintherme nach Zinnowitz
zogen wir unsere Kreise.

Eine alte Verteidigungsanlage in Swinemünde (Polen)
Es wurde am Strand gejoggt und schon mal das Ostseewasser getestet.
Hier ist die längste Promenade entlang der Ostsee. Der Wettergott
war mit uns, denn bis auf einen tüchtigen Regenguß waren
doch mehr Sonnenstrahlen als Wolken da. Einhellig waren alle der Meinung,
am liebsten noch zwei Tage dranzuhängen.

Seebrücke Ahlbeck
Sonntagabend war Abschiednehmen angesagt. Es wurde gegrillt und die
Küche hat sehr wohl schmeckende Salate zubereitet.
Grillen am Sonntagabend
Als es zu frisch wurde, zogen wir ins Hauptgebäude. Bei Bier,
"Feigling" und "Kümmerling" kamen beim Singen
vieler schöner Volklieder die kaum geahnten stimmlichen Talente
zum Vorschein. Unsere Christa trug uns Chansons von Claire Waldoff
vor, so dass wir in die Zwanziger Jahre versetzt wurden. Als die Stimmen
langsam heiser wurden und an den frühen Aufbruch gedacht wurde,
zogen wir uns zurück und schliefen den "Schlaf der Gerechten".
Von Heringsdorf nach Anklam
Beim zeitigen Aufbruch am nächsten Morgen ahnte niemand, welche
Odyssee uns bevorstand. Um uns den Weg bis Anklam ein wenig abzukürzen,
wollten wir in Karnin mit einer Fähre zum Festland übersetzen.
Bei einer kurzen Rast im verträumten Hafen von Usedom, einem
kleinen Städtchen, benannt nach der Insel, hätten wir auf
die Einheimischen hören sollen. Die sagten nämlich, über
die Brücke ist es hundertprozentig sicher. Doch eine hübsche
Besitzerin eines Zeesenbootes versprach uns das Übersetzen in
Karnin. Ungeduldig warteten wir, bis die "Zeese" endlich
den "lütten" Hafen erreichte. Dann fiel die Überfahrt
aber ins Wasser, weil der Wind aufgefrischt hatte und ein Anlegen
am anderen Ufer unmöglich machte.

Reste der alten Eisenbahnhubbrücke bei Karnin
Also auf die Räder und dem mittlerweile heftigen Wind entgegen.
Hinter der Zecheriner Brücke ganz kurz pausiert und weiter, immer
den Wind frontal, dass die Augen leckten. Geschafft, die Gesichter
gezeichnet, aber der Stolz blickte aus allen Augen, als wir endlich
den Bahnhof von Anklam erreichten.
Im Zug ebbte der Gesprächsstoff nicht ab. Alle waren der Meinung,
bei der nächsten Tour im folgenden Jahr wieder mit dabei sein
zu wollen. Allen voran unser Heinz, der mit seinen 76 Jahren auch
diesmal keinerlei Ermüdungserscheinungen offenbarte. Ein ganz
herzliches Dankeschön und ein großes Lob an unseren "Reiseleiter"
Thomas Gitzel.
Text: Hans-Georg Beckert (c)
Fotos: Thomas Gitzel (c)